Mittwoch, 4. Juni 2008

Mein Tagesausflug

1. Die Bahnfahrt

Der Tag begann ein bisschen übermüdet, da ich schlecht geschlafen habe. Aber ich habe dann ein ausgiebiges Bad genommen und gefrühstückt. Auch mit dem Kauf des NRW Single Tickets funktioniert alles problemlos. Als ich dann am Bahnsteig stand musste ich mir sagen lassen das der Zug 20 Minuten Verspätung hat. Na toll, aber ich habe ja Urlaub und das kann einen ja nicht erschüttern. Natürlich war es einer der coolen Doppelstockwagen und klein Dennis saß auch oben, ich sitze gerne oben. Das schöne ist das man im Zug die Landschaft an sich vorbeiziehen kann und keine Verantwortung für den Weg übernehmen braucht. Man kann mal in sich gehen und über Gott und die Welt nachdenken. Ein weiterer Vorteil ist das man in Ruhe seine Zeitung lesen kann. Der Hinweg hat sich zwar verzögert das hatte aber den Effekt das ich in Köln eine alte Freundin am Bahnhof getroffen habe. Was für ein Zufall. Sie war sogar so nett das sie mir in Bonn den Weg zur U Bahn gezeigt hat. Resultat: Ich liebe Züge und Bahnhöfe...

2. Bonn

Obwohl ich erst 30 bin habe ich mich schon sehr früh für Politik interessiert. Demnach kann ich mich an die Ära Kohl erinnern. Die Stadt an sich ist sehr sauber und fein. Zwar ist Bonn nicht mehr die Bundeshauptstadt aber es gibt noch sechs Ministerien, eine UN Einrichtung und die Zentrale der Telekom, Post und Postbank. Das prägt natürlich.

3. Das Haus der Geschichte

Das Museum liegt im Bundesviertel an der Museumsmeile. Was mir als erstes aufgefallen ist ist die Weitläufigkeit. Eine riesige Eingangshalle verweilt zum Ausspannen ein, wenn man sich nach längeren Rundgängen erholen möchte. Neben der Standartausstellung gibt es auch immer eine Wechselausstellung. Momentan heisst sie "Melodien für Millionen" Das Jahrhundert des Schlagers, na ja, nichts für mich. Die Standartausstellung ist echt der Hammer. Es geht wirklich vom Ende des zweiten Weltkrieges bist hin zur Gegenwart. Am Anfang stehen die Leiden der Befreiten der KZ´s bzw. die unglaublichen Dinge die die Befreier sehen mussten, es wird einem bewusst wie diese Menschen gelitten haben, aber auch die schreckliche Überzeugung der Täter. Am meisten hat mich ein spezieller Raum bedrückt. Er ist von aussen Schwarz und mit einem Hackenkreuz versehen. Das Hackenkreuz ist leicht vom schwarzen abgesetzt aber auch Schwarz. Der Raum hat zwei hohe ca. 4 Meter hohe Eingänge. Der Raum ist auch von innen Schwarz. An den Wänden hängen in Nischen, die mit Fenstern verkleidet sind, Monitore in denen Filme ablaufen. Die Filme wurden von den Amerikanern nach der Befreiung des KZ´s aufgenommen. Es wurden dort die KZ Aufseher interviewt. Es ist allerdings nur der Interviewete zu hören. Die Aufseher werden vorgestellt Name, Alter, Herkunft, Länge der Zugehörigkeit und Dienstgrad. Im Hintergrund sah man die Toten des KZ´s. Teilweise sind sie Haushoch gestapelt, die Atmosphäre wurde dadurch fast unerträglich. Mir sind teilweise die Tränen gekommen und ich war sehr beschämt. Von meinen Großeltern habe ich viele Geschichten über den zweiten Weltkrieg und dessehen Ende gehört und kann eine noch innigere Assoziation zu diesem Thema machen. Des Weiteren hat mich das Thema "Kinder die im zweiten Weltkrieg ihre Eltern verloren haben" beeindruckt. Eine sehr große Tafel war aufgestellt an der viele verschiedene Suchanzeigen aus der damaligen Zeit, es waren teilweise originale Anzeigen gehängt wurden. Auf denen stand z.B. Gesucht wird XXXX; wir wohnen jetzt: XXX, 1941 in Aachen aus den Augen verloren oder auch beim Feldzug in XXXX am XXX. Daneben hing wieder ein Fernseher auf dem Kinder vorgestellt wurden die ihre Eltern verloren habe, es hat mich sehr erschrocken die kleinen unschuldigen Kinder zu sehen die ihre Eltern bei der Flucht oder auf anderem Wege verloren haben. Es gab teilweise Kinder wo nicht einmal der Vor,- und Nachname bekannt war. In riesigen Karteikartenkästen wurden die Karteikarten dargestellt wo die Informationen über die Kinder archiviert wurden, es wurde die Größe dieses Problems dadurch klar dargestellt.
Aus politischer Sicht wurde die Einigung zwischen den Alliierten anschaulich dargestellt. Es ging um die Sichten der Amerikaner, Englänger, Franzosen und den -Russen bzw. den sehr großen Problemen die es mit der russischen Seite gab. Es war immer ein auf und ab zwischen den Alliierten was auch für politisch uninteressierten sehr anschaulich dargestellt wurde. Was diese Ausstellung interessant macht ist das alles zum Anpacken ist. Man hat nicht diesen Effekt das überall dran steht "Bitte nicht anfassen" sondern das man seine Hände überall drauflegen kann. Dies wird auch jüngere Leute hoffentlich dazu animieren ein Interesse an dieser Thematik der deutschen Geschichte zu finden.
Was die Alliierten betrifft fand ich folgendes Element anschaulich. Eine Art kleiner schmaler Aktenschrank den man von der Seite sieht, man zieht dann Schubladen raus und sieht die Gebiete die sich die verschrienden Alliierten vorgestellt haben. Die letzte Schublade zeigt dann die endgültige Aufteilung. Man kann auch alle Schubladen aufziehen und die Schemas vergleichen, da die Darstellungen auf eine Scheide gedruckt sind.
Was auch deutlich wird ist die Entwicklung in den westlichen Besatzungszonen und der Russischen. Da wurde die Ausstellung getrennt. In zahlreichen Dokumenten kann man lesen was es für Informationen an die Bevölkerung gegeben hat, was den Umgang mit der Besatzungsmacht aber auch den ehemaligen NS Symbolen,- Sprüchen oder auch Verhaltensweisen gibt. Dokumente über die rechtlichen Wegsamkeiten gegenüber dem Verhalten der Alliierten untereinander werden deutlich.
Die Trümmerfrauen wurden so dargestellt das eine große Schubkarre mit Steinen aufgestellt wird in der Steine mit Putzresten liegen, in dem Haufen sind zwei Fernseher auf der die Trümmerfrauen bei der Arbeit zu sehen sind. Neben der Schubkarre ist eine Maschine die sich die Trümmerfrauen gebaut haben um die Steine vom Putz zu befreien.
Man wird dann langsam zu den ersten Wahlen geführt. Es war mir nicht klar wie viele Partein es in den ersten Jahren gab. Ich war immer der Meinung das es nur die CDU/ CSU, SPD und die FDP gab, wohl ein Trugschluss. Aber auch einige grundsätzliche Themen wie das Deutschlandlieb werden angepackt. Man kann sich auf eine kleine Bank setzten und einen Hörer in die Hand nehmen, auf dem Monitor vor sich kann man dann das Deutschlandlied in der Ursprungsversion, in der Weihmacher Republik , in der NS Zeit und danach hören.
Im Mittelpunkt dieser gesamten Zeit der Entstehens der BRD steht ein Teil des Plenarsaals im Bundestag (zwischen 1949- 1990). Die Sitze und Tische sind wirklich Original genauso wie das berühmte Rednerpult. An der Wand sieht man einen großen Bildschirm wo man aufgefordert wird über bedeutende Reden abzustimmen. In einem weiterem Bereich wird das Thema "Schwarzmarkt" aufgegriffen was damals vielen Verantwortlichen Kopfschmerzen gemacht hat.
Ich lese sehr gerne Zeitungen u.a. auch den Spiegel. Man kann sich dort wirklich die erste Ausgabe der Zeitung anschauen, sehr interessant. Bis zu diesem Teil habe ich fast 4 Stunden gebraucht, da ich mir alles sehr genau angeguckt habe. Zwar geht die Ausstellung bis in die Gegenwart ich habe dann aber an der Stelle abgebrochen, da ich mehr Informationen nicht mehr aufnehmen konnte. Natürlich hätte ich weiter gehen können aber die Ausstellung wäre dann an mir vorbeigeraucht.
Im Café habe ich dann eine Tasse Kaffee getrunken und einige Postkarten geschrieben.

4. Das Resultat

Mit Sicherheit habe ich vergessen euch alles zu schreiben. Deshalb fahrt hin, es lohnt sich vieles über das Entstehen unseres Landes zu sehen und zu Verstehen. Dieser Tag hat sich gelohnt und ich werde spätestens nächsten Monat nochmal hinfahren um mir den Rest anzugucken.

5. Die Rückfahrt

Meine Zugfahrt führte über Köln. In Köln habe ich mich dann noch einige Zeit aufgehalten und bin ein bisschen durch die Stadt gebummelt, dann ging es direkt nach Hause. Um 23:30 bin ich dann total Müde aber zufrieden ins Bett gefallen.

6. Negatives

Man durfte im Museum nicht fotografieren. Schade, aber der Rest war einfach nur ein gelungender Tag.

Hier findet ihr die wenigen Bilder die ich gemacht habe:











Das gab es heute zu Abendbrot bei mir...

-Leider sind die Bilder teilweise ztu dunkel bzw. verwackelt, das liegt an meiner scheiss verspissten Kack- Kamera-

Kommentare:

SuMu hat gesagt…

So Objekte wie den Dom zu photographieren ist recht schwer ;-), hey ich habe auch nicht so eine tolle Camera ...

Dennis hat gesagt…

@ Susanne: Das stimmt, wenn man aber eine so tolle Kamera wie ich hatte ist das echt zum Kotzen. Das ist so als wenn man von einer S- auf eine A-Klassen umsteigt.

Brigitte hat gesagt…

hei dein abendessen sieht aus, als ob mein magen dies aktuell grad überhaupt nicht vertragen würde ... aber unter normalen umständen würd ich da auch herzhaft zupacken

wünsche dir einen schönen sonntag
liebe grüsse
brigitte

Dennis hat gesagt…

@ Brigitte: Nach meinen letzten Magenverstimmungen kann ich das absolut verstehen. Die Freude danach so etwas wieder essen zu dürfen ist umso größer.

Oceanphoenix hat gesagt…

:) sind doch klasse Fotos !! aber wenn du natürlich vorher eine bessere hattest, versteh ich, dass du da einen Unterschied merkst und dich das ärgert.

Dein Bericht jedenfalls macht Lust auf einen Besuch dort :) mit den Parteien .. das hätt ich auch nicht gewußt.

Eine schöne Woche dir :) :) alles Gute ..
Ocean :)

Dennis hat gesagt…

@ Oceanphoenix: Dieses Musum ist echt der Hammer. Jeder sollte es als Pflicht haben. Was ich ganz interessant fand das dort sehr viele neue Soldaten waren, ich denke das die gerade Offiziere geworden sind. Neben den nervigen und desinteressierten Schulklassen.
Das mit der Kamera ist momentan mein Haupt- Ankack- Thema. Hoffentlich muss ich niemals von einer S auf eine A Klasse umsteigen.